Samstag, 23. November 2013

Odwira-Festival

Das Odwira-Festival dauert eine Woche, in der die Chiefs und sonstige Machthaber in Ghana ganz groß gefeiert werden. Joseph, ein Schüler von Basco, freute sich schon lang darauf, es uns am Samstag (16. November) zu zeigen. Ohne so wirklich zu wissen, was uns erwartet machten Janin und ich uns auf den Weg nach Suhum (wie K'dua eine etwas größere Stadt in unserer Nähe).
Joseph führte uns zur Main Station – einem großer Platz, auf dem die Zeremonie stattfinden sollte. Da wir nur so halbe Schattenplätze ergattern konnten, war uns entsprechend heiß. Aber zum Glück kam ab und zu eine Frau vorbei, die gekühltes Wasser verteilte.

Die Chiefs und Queens werden mit viel Musik über den Platz getragen. Ich wollte eigentlich auch ein Video hochladen. Das geht aber irgendwie grad nicht.
Getanzt wurde auch. In traditioneller Kleidung und zu traditioneller Trommelmusik.
Nach einer Stunde meinte Joseph, er könne uns auch noch was anderes zeigen. Da wir hier sonst noch 2 Stunden gesessen hätten nahmen wir dieses Angebot doch glatt an. Auf halbem Weg durch das Gemenge stießen wir zufällig auf Francis, ein ehemaliger Schüler von Basco. Da wir nichts bestimmtes vorhatten, ließen wir uns seine weiterführende Schule, die SHS (Senior High School) Sutesco, zeigen. Ich empfand sie mit ihrem weiten Gelände und den großen Bauten als sehr schön. 

Das erste Gebäude von Sutesco.

Ein Klassenzimmer. Für Ghana: guter Zustand!
Hier lernen und schlafen über 1500 Schüler.
Nach einem Rundgang ging's weiter. Joseph zeigte uns noch den Supermarkt, das (sehr kleine) Internetcafé und den Markt, auf dem seine Mutter Essen verkauft.
Dann setzten wir uns in einen Spot um zu erfrischen und ein paar Spieße zu genießen. Eine Runde Billard war auch mit drin. :-)


Josephs Bruder Nicholas, ich und Janin
Jetzt stieß auch Andy zu uns - mit den Jungs aus dem Nachbardorf (naja – die nennen das Stadt) Nankese und zwei ghanaischen Freunden.
Dann wurde es langsam dunkel. 
Shatta Wale, ein ghanaischer Musiker, wollte eigentlich diesen Abend in der Stadt auftreten, soll aber spontan nach Accra verschwunden sein. 

Während so einem Festival sieht man eben auch mal die Army durch die Straßen ziehen.

Und Kerosine gibts hier sowieso überall.

Eine Straße in Suhum. Das rechts ist übrigens ein typischer Trotro.
Wir liefen weiter durch die Straßen und blieben bei einem Spot hängen, dessen Boxen wie so oft hier auf der Straße standen und wir tanzten, was das Zeug hielt. Es machte richtig Spaß. Wir lernten zu der Musik, die man Hiplife nennt und an Dancehall erinnert, ein paar Schritte. Wir lernten auch „Al Qaeda“ – ein Tanzstil, der eigentlich nichts mit Al Kaida zu tun hat und über dessen Name deshalb heiß diskutiert wird.


Ein Ghanaer, der uns ein paar Schritte beizubringen versucht.
Hää? Da komm ich nicht mehr mit... :O
Das rechts ist übrigens Joseph.
Andy hat wieder viele neue Freunde gefunden.
Die drei hier (Lennard und Jan, den Namen von dem Ghanaer weiß ich nicht mehr) essen gerade Indomie: Nudeln mit Ei und Gemüse. Sehr lecker.
Naja.. auf jeden Fall tanzt man hier auch auf der Straße – dementsprechend kommen die Autos nur mit viel Geduld voran.

Es war ein gelungener Tag. Ghanaer wissen wie man feiert! Ich habe so das Gefühl, dass viele Deutsche, die ich kenne, dafür mehr Alkohol gebraucht hätten. :-P

Boti Falls & Umbrella Stone

Mit Chris und Jakob, zwei Freiwilligen aus Agona Swedru und aus der Nähe von Cape Coast, machten wir uns auf den Weg Richtung Norden. Zwei Stunden später waren wir schon am Eingangsschild zu den Boti Falls. Nach langen Verhandlungsversuchen von Chris aus – mir war das zu doof – mussten wir dann tatsächlich 10 Cedi zahlen.


Ohne extra Führer ging es einige Treppenstufen hinunter zu dem wunderschönen Wasserfall.
Da wir schon um 8 Uhr da waren, gab's nur uns und den Wasserfall.



Die vielen Wassertröpfchen, die hier duch die Luft schwirren, verzaubern diesen Ort zu einem Traum.
Da wirkt auch Andy wie eine Märchenfigur.

Wieder oben angekommen fragten wir nach dem Weg zum sogenannten Umbrella Stone.
Los ging die einstündige Wanderung.

Hier siehts aus wie im Zoo. Nur etwas einsam.
Der Weg zum Umbrella Stone.
Über Stock und Stein.
Das ist er. Der Name erklärt sich von selbst.
Jakob im Hintergrund gönnt sich eine Kokusnuss.
Die Aussicht ist gigantisch. Es hat sich sowas von gelohnt.

Auch die berühmte dreiarmige Palme haben wir bestaunt :D
Zurück auf dem Platz mit den vielen Pavillons, die sich inzwischen mit Schulklassen und anderen Reisegruppen gefüllt hatten, stellten wir uns die Wahl: Weiter zu den Akaa Falls – weitere Wasserfälle nicht weit von hier. Oder zu den erst 2005 entdeckten Wasserfällen bei Adasawase?
Da die letzteren eine der größten in Ghana sind, fragten wir nach dem Weg dorthin. Keine gute Entscheidung. Wir konnten leider nicht Luftlinie fahren – sodass wir von unserem Standpunkt aus einen saumäßigen Umweg in Kauf nehmen mussten und somit viel Zeit flöten ging. Zudem hat der Taxifahrer sich mal wieder mit der Währung vertan und wollte eigentlich einen anderen Preis als den, den wir anfangs mit ihm ausgemacht haben. Aber auch nach langer Diskussion gaben wir nicht nach. Das wird ihm eine Lehre sein :D In Zukunft drückt der sich klar und deutlich aus.

Laut Reiseführer: 2stündige Wanderung bis zu den Wasserfällen.
Hatten wir soviel Zeit? Nein. Es waren noch drei Stunden bis zur Dunkelheit.
Janin und ich waren schon müde, aber ließen uns trotzdem von den Jungs mitziehen.
Los ging's auf einem Pistenweg. Dann ab in den Busch. 

Ab da ging es vom Pistenweg auf einen schmalen Weg durch den Wald.
Ziel war es: soviel wie möglich sehen (inklusive Wasserfall natürlich). Eigentlich kein Problem für mich. Aber mit dem Tempo, das die Jungs drauf hatten, konnte man sich eigentlich nur noch auf den Weg konzentrieren.
Nach einer Stunde kamen uns zwei deutsche Mädels entgegen, die meinten sie seien schon 20 Minuten weiter gelaufen und hätten immer noch nichts von den Wasserfällen gesehen. Es wurde beschlossen aufgrund der kommenden Dunkelheit umzudrehen. Ich fragte mich, ob außer mir das vielleicht auch schon jemand anders voraussehen konnte :-P
Zum Glück ließen wir uns beim Rückweg mehr Zeit, sodass ich die Natur doch noch ein bisschen auf mich wirken lassen und ich mich entspannen konnte.

Abends in K'dua gingen wir noch kurz in eine Bar um leckere scharfe Fleisch- und Wurstspieße zu genießen.
Vor langer Zeit hat uns der Referent mal angeboten, uns ein Taxi zu rufen wenn's spät wird, damit wir die Strecke nach Basco nicht im Dunkeln laufen müssen. An diesem Tag nahmen wir dieses Angebot an und erreichten das schöne Basco schließlich um 11 Uhr. Das hat sich nach diesem Tag wie ein zweites Zuhause angefühlt. :-)



Montag, 11. November 2013

Mid-Term-Ferien.. oder auch nicht

Eigentlich sollten wir von Freitag bis Montag (1. - 4. Nov.) Mid-Term-Ferien haben. Aber da sich am Mittwoch Besucher für Montag und Dienstag ankündigten, wurden die Ferien kurzfristig auf die nächste Woche verlegt.
Also verschoben wir auch unsere Reisepläne, schließlich wurden wir ja als Lehrer gebraucht.

Ja, also eigentlich sollte Schule sein. Am Donnerstag fiel sie schon mal aus. Die Kinder mussten arbeiten. Am Freitag gab es auch keinen Unterricht, was uns auch erst zu spät gesagt wurde. Wir wären gerne mit den 3 Freiwilligen, die uns für eine Nacht besucht hatten, die Wasserfälle von Adasawase anschauen gegangen. War wohl nix.
Aber inzwischen war uns wenigstens klar, wofür die Kinder arbeiten mussten. Die Besucher waren Spender von Basco: SBIG nennt sich eine Organisation, die großen Unterstützer vom Computerlab und der Bibliothek. Und Citi FM, ein Radiosender, der seine Hörer oft für Spenden aufruft und dadurch für Basco auch schon einiges gesammelt hat. Somit auch für das neue Gebäude, das oben auf dem Gelände steht.
Ja auf jeden Fall sollte das am Montag eröffnet werden. Dafür haben die Kinder noch schnell einen schönen Weg aus Steinen um das Haus gelegt.
Nachdem wir am Sonntag die Sonnenfinsternis (eine fast totale) bestaunt hatten, waren wir gespannt, was der Montag bringen würde.

Sonnenfinsternis :D sie wurde sogar noch ein bisschen mehr bedeckt.
Eigentlich sollten ja die Besucher kommen. Das sagte man uns auch nachdem wir nochmal nachgefragt hatten. Aber wie so oft gab es mal wieder eine Planänderung.  Die Besucher kamen nicht. Dafür schienen die Kinder jetzt erst richtig mit der Arbeit anzufangen. Der Weg beim Eingang zu Basco wurde so weit es ging geebnet, und ein richtig fetter Stein für eine Widmung an Citi FM bemalt.

Ja und wir? Uns wurde derweil auch nicht langweilig. Wir sind mit ein paar Jungs Pawpaws (sprich Popoo - also Papayas) pflücken gegangen.
Auf einem schönen Weg durch den Busch ging es zu den großen Bäumen, von denen
wir die Früchte mithilfe eines etwa 5-6m langen Stabes stießen.




Man kann sowohl die gelben als auch die grossen gruenen Pawpaws essen. Ich mag die gelben mehr, weil sie schon etwas weicher sind.
Ein orangenes "bush meat animal" haben wir auch beobachten koennen.
10-20 Stück, die dann am Ende nicht mehr ganz da waren, weil wir die etwas weicheren schon auf dem Rückweg gemampft hatten. 


So schoen sieht der Busch aus
Das sind uebrigens die Plaintains - sehen aus wir Bananen, sind aber Kochbananen. Ist praktisch Gemuese und kann nur gekocht oder frittiert gegessen werden. Beides sehr lecker.
Auch daheim hörten die Kinder nicht auf die Papayas zu schälen – bis auf fünf. 
Dementsprechend waren unsere Bäuche dann auch voll. Aber wie kann man bei einem Stück mehr dieser für uns doch (noch) so seltenen Frucht schon 'Nein' sagen?
Eben... Nie
Vor allem ich nicht ;-)

Ja das war auch schon der Montag. Jetzt wurde es höchste Zeit für unseren so sehnlichst   erwarteten Besuch. Mit einer großen Zeremonie sollten sie empfangen werden.
Wir wussten, was uns dann wahrscheinlich erwartet: Die wird lange dauern.
Da keiner so recht wusste wann es losging und da wir Obrunis es aber auch nicht verpassen wollten, gesellten wir uns zu den Kindern, die schon auf den vielen Stühlen  warteten.

Mein erster Gedanke: Hier siehts ja aus wie auf einer Beerdigung.
Nicht weil es auf mich traurig gewirkt hätte – kommt man in der Stadt an einer Beerdigung vorbei, stehen dort eben wie hier einige Plastikstühle unter einem Sonnenschutz. Nur die Klamotten sind anders: Feierliche schwarze und rote Kleider/Anzüge für die Trauer.

Jetzt gings ans Warten. Wann würde es wohl losgehen? Die protzigen Autos, die sich nach und nach neben dem Gelände reihten, waren irgendwie befremdlich.
Nachdem ich mit den Kindern gequatscht habe, einmal eingepennt bin und mir mein Gesäß mit etwas Laufen entspannt hatte war es dann 2 Stunden später endlich soweit. Es wurden einige Reden gehalten und Gebete gesprochen. Auch von einem weißen Schwarzen (also Albinos sehen eigentlich nochmal anders aus).
Es wurde auch getanzt :-)

Zwischendrin wurde das sogenannte 'Training Center' eröffnet, was natürlich der Höhepunkt war. Während der Chor sang wurde das Band entzweit und durch die Räume gewandert.


Auch der frisch bemalte Stein wurde von seinem Tuch befreit.
Plötzlich, nach einer Stunde, hieße es, die Zeremonie sei vorbei. Eine Stunde! Das kennen wir so gar nicht von den Ghanaern. Bei diesem ganzen Aufwand hatten wir ein Minimum von 2 Stunden erwartet (allein die Kirche am Sonntag dauert grundsätzlich 3 Stunden).

Es bleibt heitere Verwirrung. Auch die Kids scheinen sich noch nicht so richtig von ihren Stühlen zu trauen.
Achja: Wofür ist das Training Center eigentlich da?
Es wird sozusagen als Ausbildungsstätte dienen – für die in der Schule etwas schwächeren Kinder. So sollen sie dort zum Beispiel lernen, wie man schneidert oder frisiert.
Woher Material bzw. Personal/Lehrer herkommen sollen steht wahrscheinlich noch in den Sternen. Hier will ich eine ehemalige Freiwillige zitieren: „Die Hoffnung stirbt zuletzt...“
Also bleibt nur noch die Frage: Wann wird das Gebäude wohl genutzt?

Und die Hoffnung.

Eigentlich wollte ich heute auch einen Post ueber unseren wunderschoenen Ausflug zu den Wasserfaellen letzten Samstag reinstellen. Dafuer reicht mir aber die Zeit gerade nicht. In spaetestens 2 Wochen koennt ihr ihn aber hier lesen. :-)
Erfriert mir in Deutschland nicht meine Lieben! :-*

Samstag, 26. Oktober 2013

Winneba

Einer der Freiwilligen erzählt uns: Am Wochenende veranstalten die Mentoren eine kleine Beachparty in Winneba.
Bald wird klar: Das wollen wir uns nicht entgehen lassen, da uns schon davor traumhafte Fotos vom Strand neugierig gemacht haben.
Unsere erste kleine Reise steht uns bevor.

Wir starten am Samstag, den 19. Oktober, um 6 Uhr morgens. Inzwischen haben wir Fahrräder, die den Freiwilligen zur Verfügung stehen und die eigentlich nur noch aufgepumpt werden mussten. Da verkürzt sich unser Weg zur Hauptstraße um einiges: Nur noch 15 Minuten. Dort stellen wir sie bei einem Freund von Basco ab.
Wir nehmen uns einen Trotro nach K'dua, um von dort aus nach Agona Swedru zu fahren. Die Straßen auf dieser Strecke sind nicht gut: Immer wieder hört die Straße einfach auf und führt uns in einige Schlaglöcher (wobei – die gibt’s auch zahlreich in den geteerten Straßen). Schlafen ist da nicht drin. Nur Musik kann mich noch retten.
Allerdings hatten wir am vorigen Abend keinen Strom in Basco. Es war kein Geld für Benzin da. Das haben wir Freiwillige aber erst sehr spät mitbekommen. Manchmal steuern wir nämlich auch etwas dafür bei.
Ja - auf jeden Fall ist mein Handy nicht aufgeladen. Aber ich bin ja noch nicht so lang in Ghana. Da entdeckt man noch viel Neues, wovon man gut abgelenkt werden kann.




Hier hört die Straße auf
Nach guten zweieinhalb Stunden kommen wir schließlich an und werden von den Ghanaern an der Trotro-Station zu unserem Anschluss nach Winneba gelenkt. Dann noch ein Taxi zum Strand. Alle Fahrten zusammen: 4 Stunden & 11 Cedi, was umgerechnet etwa 4 € sind. Also voll in Ordnung. In Deutschland wäre man damit keine 120 Kilometer weit gekommen.

Wir werden von bestimmt 20 bis 30 anderen Freiwilligen begrüßt. Die Hälfte kenne ich nicht, da sie von einem anderen Vorbereitungsseminar oder von der Entsendeorganisation IJGD (Internationaler Jugend Gemeinschaftsdienst) ist. Im Bereich Freiwilligendienste findet zwischen Deutschland und Ghana einiges statt. :-)
Es ist schön wieder Gesellschaft mit so vielen Deutschen auf einmal zu haben und sich mit ihnen austauschen zu können. Wir essen Früchte wie Wassermelonen, Ananas' und Orangen und spielen Volleyball und Fußball am Strand. Dieser ist leider nur vom Weiten schön. Es wurde viel Müll angespült. 

 
Die Mentoren und ein paar andere Ghanaer versuchen uns zum Tanzen zu bewegen. Erst mit viel Geduld schaffen sie es bei ein paar – bei mir auch ;-)

Tanzen zu Trommelmusik
 Als sich die kleine Party abends auflöst quetschen wir uns in Trotros und fahren zu unserem Gästehaus. Dort gibt es eine Küche, in der wir uns Spaghetti mit Tomatensoße machen. Schmeckt zwar lange nicht so gut wie die meines Vaters, aber in diesem Moment freue ich mich riesig darüber. ;-)

Hier gibt es fließend Wasser zum Duschen :O
Danach setzen wir uns zusammen, knabbern Kekse und trinken Bier. Oder ich: Alvaro, mein Lieblingsgetränk seit ich in Ghana bin – ein richtig geiles, erfrischendes Birnengetränk.
Mit zwei anderen Freiwilligen gehe ich noch einmal zum Strand um das Meeresrauschen zu genießen.
Unsere Zimmer sind bescheiden und günstig. Doppelzimmer, in die wir noch zwei Matratzen reinlegen. Insgesamt 30 Cedi = 10 €
Auch am morgen gegen 5 Uhr gehe ich mit Janin nochmals zum Strand, um den Sonnenaufgang zu bewundern.


Dass Ghanaer nicht joggen gehen, ist nicht wahr. Zwischen 5 und 6 Uhr morgens ist hier einiges los. Ist ja auch verständlich - wer will schon bei der Mittagshitze noch mehr schwitzen?
Die billige Unterkunft bekomme ich am nächsten Morgen zu spüren. Während unserem selbstgemachten Früchte-Frenchtoast-Frühstück wird überall an meinem Körper, an dem in irgendeiner Weise Reibung entstand, ein Ausschlag sichtbar. Es fühlt sich an, als ob ich von Stichen übersät wäre.
Zum Glück verweilen in dem Gästehaus auch deutsche Studenten. Ein Mädchen namens Laura führt mich zu ihrer Mutter, eine Apothekerin. Sie kann mich mit Fenistil-Tropfen und Cortison retten.
Jetzt geht’s noch ein letztes Mal zum Strand. In der Sonne eröffnet er sich mir endlich in seiner ganzen Pracht (…)




Andy, Sophia und ich

Die Antarktis kann ich schon fast sehen
Da wir vor Sonnenuntergang zurück sein wollen planen wir, spätestens um 1 Uhr aufzubrechen. Es wird ein bisschen später, aber macht nichts – wird trotzdem noch reichen. In Agona Swedru angekommen überrascht uns nicht nur der heftige Regen. Sonntags fahren von dort anscheinend keine Trotros nach Koforidua. Die Station ist wie ausgestorben. Als der Fahrer unseres bisherigen Trotros merkt, dass wir gar nicht mehr durchchecken, macht er uns das Angebot, uns sechs per „dropping“ für 22 Cedi nach Koforidua zu bringen. Aufgrund ständiger Wiederholungen des Preises, habe ich es schon geglaubt, aber da die anderen nachhaken, kommt nach ständigem Hin und Her heraus, dass er wohl nicht richtig Englisch kann und eigentlich 200 Cedi meinte. Wir protestieren natürlich. Bald wird ihm klar, dass er damit nicht weit kommt und wir werden nach weiterem Rum-und Numgelaber endlich an ein Trotro weitergeleitet, das bis nach Asamankese fährt, von wo wir unseren Anschluss bekommen.
Schließlich und endlich kommen wir doch tatsächlich noch um 17 Uhr in Basco an, womit ich in Swedru nicht mehr im Entferntesten gerechnet habe. Das lag wohl hauptsächlich an dem rasanten Fahrstil des Tros nach Asamankese. ;-)

Alles in allem ein aufregendes und doch in gewisser Weise auch entspannendes Wochenende, dessen Probleme ich dafür alle wieder in kauf nehmen würde. :-)

Samstag, 12. Oktober 2013

Mein Alltag & meine Arbeit

In Ghana faengt der Tag frueh an. Sobald die Sonne aufgeht, wird sie genutzt. Hier in Basco beginnen die Kinder also schon zwischen vier und fuenf Uhr morgens an zu singen und zu beten. Ich muss zugeben - ich konnte mich noch nicht dazu aufraffen.
Deshalb stehe ich normalerweise erst um 7 Uhr auf, um in ein Buch einzutragen, dass ich bereit zum Unterrichten bin. Um 8 Uhr etwa stellen sich die Kinder auf und eroeffnen damit die Schule. Was die dabei ausser Singen genau machen habe ich noch nicht erforscht.
Fliessendes Wasser haben wir hier nicht. Ich dusche mit Eimern. Zum Fruehstueck gibts Fruechte, Brot, Marmelade - manchmal auch selbstgekaufter anderer Brotaufstrich oder Milch mit Muesli.
Entweder um 9 oder halb 11 beginnt mein erster Unterricht. Da laeuft es aber nicht so, dass ich in die Klasse komme. Denn oft hat die Glocke noch nicht gelaeutet. Hier wird man von den Kindern geholt :D
In Basco macht man sich keinen Stress. Man macht das, was zu tun ist fertig - dann widmet man sich dem naechsten. Wenn man nicht im Zeitplan liegt, wird man nicht wie meistens in Deutschland schraeg angeguckt. Das ist normal.
Mit dem Unterrichten komme ich immer besser zurecht. Am Freitag habe ich die fuenfte Klasse eine Art Test schreiben lassen, weil ich wissen wollte, ob manche sich ueberhaupt anstrengen koennen. Das koennen sie. Ich habe sie die meiste Zeit sogar ruhig halten koennen.
Aber das Problem ist: Die Kinder koennen zwar Buchstaben erkennen aber noch nicht richtig lesen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie nicht genug Schulmaterial haben und somit zum Beispiel das Schreiben nicht gut genug ueben koennen.
So kam es, dass mich fast jedes Kind gefragt hat, was in der Aufgabe steht. Das konnte man schon fast Sport nennen, so wie ich durch die Reihen gelaufen bin ;-)
Naja.. bin gespannt wie das dann in den Endpruefungen laufen soll.

Zum Essen bekommen wir sowohl mittags als auch abends etwas gekocht. Oft sind es Spaghetti mit Stew und Haehnchen. Als Alternative gibt es: Reis mit Gemuese, Fufu (eine Art Teig, den man in eine Suppe tunkt), Yam (meist gebackene Wurzeln, die man auch mit einem Stew isst) oder Kochbananen mit Bohnen (schmeckt richtig richtig geil). Fisch (nicht frittiert natuerlich) haben wir anfangs auch bekommen, aber das war uns zuviel.
Habe mich inzwischen gut an das Essen gewoehnt. Es hat immer eine gewisse Schaerfe. Aber das faellt mir jetzt kaum mehr auf. Es schmeckt mir - dennoch vermisse ich Deutschlands Spezialitaeten.
Nachmittags nach der Schule will ich mich meistens nur ausruhen, aber da mein Zimmer direkt bei Basco ist, sind die Kinder staendig um einen herum. Die halbe Stunde Siesta-time wird hier nicht eingehalten.
Deshalb spielen wir oft mit den Kindern oder schauen ihnen zu.

Ein Freitag Nachmittag mit den Kindern. Sie haben viel Spass mit meiner Kamera.
Der junge Mann auf meinem Schoss ist einer meiner Lieblinge
Man muss sie einfach liebhaben xD
Ja - Andy hat sich schon sehr gut integriert :D

Um halb 6 wird es dunkel - und das vergleichsweise zu Deutschland ziemlich schnell. Aber da keine Stromleitungen zu uns in den Busch zu fuehren scheinen, haben wir einen Generator, der uns jeden Abend zweistuendig mit Strom versorgt - wenn Geld fuer Benzin da ist.
Um 7 ist das Licht meistens an. Dann stecken wir schnell unsere Geraete an die Ladekabel und hoffen, dass das Essen bald kommt.
Es beginnt die Prep-time, in der die Kinder ihre Hausaufgaben machen. Wir besuchen sie manchmal in ihren Klassenzimmern. Anfangs haben wir gedacht: Wow! Sind die motiviert!
Von wegen! Sie werden gecaned wenn sie es nicht tun.
Ja - hier wird noch mit dem Stock geschlagen. Aber da wir Deutschen damals nicht besser waren, will ich das nicht so hart beurteilen.
Um 10 Uhr etwa gehe ich dann meist ins Bett. :)

Was ich euch sonst noch zeigen will:

Wie man eine Kokosnuss schaelt weiss ich inzwischen
Seeehr lecker ;-)
Heisse Gruesse an das kalte Deutschland :)